TRP -Trauma Recovery Protocol

 

TRP - Trauma Recovery Protocol ist eine neurobiologisch fundierte  Methode zur Regulierung und Auflösung von Stress- und Traumasymptomen, sowie zur Verarbeitung von stressintensiven und traumatischen Erlebnissen (Komplex- und Monotrauma).

 

TRP ist eine sanfte Konfrontationstherapie, die sich an den körperlichen Prozessen orientiert, um Stress und Trauma aufzulösen. Die Idee hinter TRP ist einfach: sie unterstützt die Verarbeitungsprozesse durch natürliche Mechanismen, die Bestandteil unseres Nervensystems sind. So, wie wenn wir überhitzt sind, unser Körper den Mechanismus des Schwitzens nützt um sich abzukühlen, so verfügt auch unser Körper über angeborene Mechanismen, Ladung bzw. Belastung freizugeben, wenn wir gestresst oder traumatisiert sind.

 

TRP orientiert sich dabei an den neuen Forschungserkenntnissen aus der Neurobiologie und berücksichtigt die Einflüsse der unterschiedlichen Gedächtnissysteme bei der Bearbeitung. Diese Vorgehensweise gewährleistet eine nachhaltige Integration belastender Erfahrungen. Die Methode gibt all denen, die mit gestressten und/oder traumatisierten Menschen arbeiten, ein profundes Werkzeug und einfach zu erlernende Methode in die Hand.

 

In der Arbeit mit TRP wird besonders viel Wert gelegt auf:

  • Aktivierung von inneren Ressourcen
  • Stärkung von Beziehungsfähigkeiten (Abgrenzung und Vertrauen)
  • Achtsamkeit und Körperwahrnehmung
  • Erweiterung der selbstregulatorischen Fähigkeiten
  • Stärkung der Resilienz

 

Wir haben die Weiterbildung bewusst so konzipiert, dass Sie als TeilnehmerIn jederzeit entscheiden können, wie weit Sie Ihre Kompetenzen zur Stress- bzw. Traumabehandlung vertiefen.

Sie können einen Abschluss als Stress Dynamics Practitioner erhalten, bzw. darauf aufbauend einen Abschluss als Trauma Dynamics Practitioner.

 

 

 

Es gibt einige Kernpunkte, die den TRP-Prozess verständlich machen:

 

1. Stress und Trauma sind primär non-kognitive Phänomene:

Obwohl Gedanken und Einstellungen von Stress und Trauma beeinflusst werden, ist das non-kognitive Autonome Nervensystem der primäre Ort, in dem traumatische Ladung gehalten wird, wo Symptome entwickelt werden und wo Auflösung am effektivsten ist. Trauma ist für das Säugetier-Nervensystem nichts ungewöhnliches und kann bei Tieren (wie Mäusen, Wild, Pferden) die über keine höheren kognitiven Fähigkeiten verfügen, beobachtet werden. Als Menschen, haben wir nahezu dieselben Reaktionen auf Stress und Trauma wie andere Säugetiere, da wir dasselbe grundlegende Autonome Nervensystemstruktur aufweisen. Deshalb sind gesprächs- und einsichtsbasierte Therapie-Ansätze weniger erfolgreich, um Veränderungen bei Trauma-Symptomatiken herbeizuführen.

 

2. Stress- und Traumasymptome waren an einem Punkt adaptive Mechanismen, die uns geholfen haben, eine Bedrohung zu überleben. Wenn man sich in einer gefährlichen Situation befindet, sei es häusliche Gewalt, ein Autounfall, ein Kriegsgeschehen oder in einer instabilene Familie mit alkoholkranken Eltern, ist es sehr zweckmäßig hyper-vigilant (erhöht aufmerksam), nervös, kampfbereit oder fluchtbereit sein (oder zu kollabieren, wenn das die einzige Möglichkeit um überleben zu können, war). Diese Symptome waren Überlebensreaktionen, die in einem bedrohlichen Kontext Sinn machten. 

 

3. Aus vielerlei Gründen können stressintensive und traumatische Ladungen im Nervensystem gespeichert werden und verbleiben mitunter Jahre nach dem Tag an dem das Ereignis als Reaktiv. Selbst nachdem die Bedrohungen vollständig verschwunden sind, kann das Autonome Nervensystem (ANS) die Aktivierung in Form von Angst, Spannung, Getriebenheit, Depression und Dissoziation bewahren. Mit wenigen Ausnahmen haben die meisten Säugetiere einen angeborenen autonomen Prozess, der sich darum dreht, traumatische Ladungen im Organismus auszulösen. Der Erfolg von TRP ist, dass es  dieser autonomen Lösungsprozess, der dem Nervensystem der Säugetiere angeboren ist, aktiviert wird.

 

Es können 5 Stadien des Autonomen Nervensystems unterschieden werden:

Stadium 0:   ruhig, ansprechbar, wachsam

Stadium 1:   leicht ängstlich, gereizt, nervös, körperliche Anspannung, Unruhe

Stadium 2:   stark ängstlich, verärgert, Panik-Symptome, intensive körperliche Anspannung (Bauch, Rücken Atmung), deutliche und kraftvolle 

                      Kampf - oder Fluchtreaktionen

Stadium 3:   duale Aktivierung = eine Mischung aus sympathischen Stresssymptomen und parasymapthischen dissoziativen Traumasymptomen 

                      Anspannung mit somatischem Kollaps, Schwere, Schläfrigkeit, gleichzeitig Gefühle von Panik und Angst, Hoffnungslosigkeit,

                      nebelhafte Wahrnehmung

Stadium 4:    pure Dissoziation geprägt von einem deutlichen Fehlen körperlicher Empfindungen, emotionaler Verflachungseffekt, Gefühle von Leere,

                      Betäubtsein oder dem Gefühl zu Schweben, Depersonalisationsgefühle, Gefühle von "Getrenntsein"

                    

 

4. TRP ist eine phasenbasiertes Regelwerk, das ein sicheres Arbeiten ermöglicht.

    1. Ressourcen

Ressourcen ist ein Prozess mit der Absicht, die Fähigkeit des Klienten zu steigern, positive Zustände zu fühlen. Wenn KlientInnen den Ressourcen-Prozess meistern, dann sind sie besser ausgerüstet um die nachfolgende Trauma-Integrationsarbeit durchzuführen. Je besser die KlientInnen im "ressourcen" sind, desto tiefer erlaubt ihnen das eigene System zu den traumatisierenden Erlebnisse während der Konfrontationsphase in den späteren Stadien der Arbeit zu gelangen. 

          

     2. Beziehungsfähigkeiten

Fundamentale Beziehungsfähigkeiten werden gestärkt, wie Vertrauen und Abgrenzung, welche  häufig nach einem traumatischen Erlebnis beeinträchtigt sind.

 

     3. Lösungen ermitteln

Traumasymptome bleiben so lange verwurzelt, wie das Autonome Nervensystem glaubt, dass die Bedrohung aktiv ist.  Noch  vor der Integratiom von stressintensiven oder traumatischen Erinnerungen, wird gefragt, Lösungen zu finden, die genutzt werden könnten, wenn das Erlebnis erneut in der Zukunft auftreten würde. 

 

     4. Neukalibrierung von traumatischen Ereignissen und Mustern

Der/die Klient/in wird aufgefordert Belastungen, die mit traumatischen Ereignissen zu tun haben, zu vergegenwärtigen, während Körperbewegungen so weit wie möglich reduziert werden (Eindämmung) und primär Körperempfindungen beachtet werden. Ereignisse, die anderen traumatischen Ereignissen am wenigsten ähneln, also nicht miteinander verknüpft sind, werden zuerst durchgearbeitet. So beginnt eine Rekalibrierung, bei dem das Autonome Nervensystem die unvollständig gebliebene Abwehrreaktionen einleitet und bei der sich der /die Klient/in sich sequenziell durch das Trauma bewegt.