Mitgefühlserschöpfung

Kann ein Mensch wirklich acht Stunden am Tag liebevolle Zuwendung geben? - so steht es am Klappentext von Wolfgang Schmidbauers Buch "Helfen als Beruf" (1996).

Und vor allem - welche Bedingungen findet der/die HelferIn vor?

 

Viele HelferInnen wählten einen sozialen Beruf um eine besondere Bindung zum Menschen einzugehen, diesen zu pflegen oder in seinem Genesungsprozesses zu unterstützen. Immer weniger lassen die beruflichen Rahmenbedingungen diese besondere Beziehung zu.

Aus Kostengründen werden viele Abläufe im Krankenhaus- und Pflegebereich weitgehend fragmentiert - doch menschliche Beziehungen brauchen Zeit. Zeit, die nicht vergütet wird.

Auch in der kassenärztlichen, psychotherapeutischen Versorgung wird von Einheiten von 30 bis 50 Minuten ausgegangen. Nicht immer ist dieser zeiltiche Rahmen ausreichend, und der/die nächste PatientIn wartet schon, die Wartelisten und die Arbeitstage der PsychotherapeutInnen sind lange.

 

Mitgefühlserschöpfung ist eine besondere Form des Burn-out. HelferInnen stellen an sich selbst eine reduzierte Empathiefähigkeit fest, eine bestimmte Nüchternheit, oder gar Kaltblütigkeit. Patientenkontakte werden immer mehr vermieden oder auf das Notwendigste reduziert.

Auf diese Weise ist kein professioneller Beziehungsaufbau mehr möglich.

 

Die Freude im sozialen Arbeitsbereich zu arbeiten, geht verloren.

Das Bewusstmachen und die Arbeit an der eigenen Belastungsgrenze, Achtsamkeit, Selbstfürsorge sowie die Stärkung der eigenen Resilienz sind für HelferInnen besonders wertvoll.

Sie verhelfen Betroffenen mehr Stabilität, besser im persönlichen Gleichgewicht zu bleiben und die Freude in ihrem Tätigkeitsbereich zu erleben.