Trauma

Trauma bzw. traumatischer Stress entsteht, wenn eine Bedrohungssituation als nicht bewältigbar erscheint.

Ist weder Flucht noch Kampf möglich, dann treten zusätzlich zur sympathisch innervierten Stressreaktion auch parasympathische Regulationskräfte auf. Diese führen zu Dissoziationsmechanismen. Das bedeutet, dass Kälte-, Taubheits- und Unwirklichkeitsgefühle spürbar werden und Gedanken und Emotionen abgespalten werden.

Schließlich kommt es zur Erstarrungsreaktion. 

 

Traumastress ist die Reaktion des Organismus auf eine außergewöhnliche psychische und/oder physische Belastung. Wie stark belastend ein Ereignis wahrgenommen wird, ist von den persönlichen und den situativen Gegebenheiten abhängig. Ob ein Ereignis als überwältigend gilt, steht in unmittelbarem Zusammenhang damit, ob Handlungsmöglichkeiten vorhanden sind und ob diese  wahrgenommen und auch ausgeführt werden können.

Nicht das real stattgefundene außergewöhnliche Geschehen ist das entscheidende Element, sondern es ist die persönliche Einschätzung des Betroffenen, wie hilflos er sich in der Bedrohungssituation wahrgenommen hat.

 

Erfahrungen wie z.B. Gewalt, Missbrauch, Unfälle, Folter, Kriegshandlungen sind sehr stark traumatisierende Erlebnisse mit schwerwiegenden Folgen für Körper und Seele.

Traumatische Erlebnisse können noch lange nachwirken und selbst nach Jahren zu Posttraumatischen Belastungssymptomen führen.

 

 

Peter A. Levine beschreibt 4 Trauma-Komponenten, die bei jedem Traumatisierten in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden sind und den Kern traumatischer Reaktionen bilden:

  • ein außergewöhnlich starker Erregungszustand (hyperarousal)
  • eine psychophysische Kontraktion
  • eine Dissoziation (von Benommenheit bis hin zur Abspaltung)
  • Erstarren (Immobilität) in Verbindung mit einem Gefühl der Hilflosigkeit

 

Bei einem Trauma treten starke Gefühle der Hilflosigkeit auf, ein weiterer Mechanismus der Dissoziation betrifft das sich Abgespaltenfühlen von den eigenen Emotionen, Gefühle der Leere entstehen. Das Sprachzentrum (Broca-Areal) ist blockiert und führt bei den Betroffenen zur Sprachlosigkeit.

 

Akute Belastungsreaktion und Posttraumatische Belastungsstörung

Das Erleben einer traumatisierenden Situation hat für Betroffene kurz- und längerfristige Folgen und kann die Lebensqualität schwer und nachhaltig beeinträchtigen. Bei der Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen spielen aktuell verfügbare Bewältigungsstrategien ebenso eine Rolle wie:

  • Art und Ausmaß des Erlebnisses
  • das Vorhandensein eines unterstützenden Netzwerks
  • der psychische Gesundheitszustandes vor dem Erlebnis
  • individuelle Resilienzfaktoren

In vielen Fällen kommt es zur Ausbildung von mehr oder weniger auffälligen Verhaltensweisen in bestimmten Situationen - häufig ausgelöst durch Triggerreize - sowie zur Ausformung von Symptomen, die ihrerseits auch belastend wirken.

In der klinisch-diagnostischen Psychologie wird unterschieden zwischen einer kurzfristig auftretenden Akute Belastungsreaktion und in eine länger andauernden Posttraumatische Belastungsstörung.

 

Gemäß ICD10 gilt die Akute Belastungsreaktion als "eine vorübergehende Störung von beträchtlichem Schweregrad, die sich bei einem psychisch nicht manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche körperliche oder seelische Belastung entwickelt, und im allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt." Die Symptome gehen mit einer Art Betäubung einher, Bewusstseinseinengung und eingeschränkte Aufmerksamkeit treten auf, sowie Desorientiertheit, eine Tendenz sich zurückziehen bis hin zu dissoziativem Stupor oder auch Unruhezustände, Überaktivität oder Fugue. Vegetative Zeichen panischer Angst, wie Tachykardie, Schwitzen und Erröten sind häufig vorhanden. Diese Symptome treten innerhalb von Minuten nach dem belastenden Ereignis auf und gehen innerhalb von 2 bis 3 Tagen, oft innerhalb von Stunden zurück.

 

Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entsteht als "eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes (kurz oder langanhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde." (ICD-10, Dilling) Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (flashbacks) oder in Träumen. Gefühle von Betäubtsein (numbing) und emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit. Auffallend ist auch das Vermeiden von Aktivitäten oder Situationen, die an das Trauma erinnern könnten. Zustände vegetativer Übererregtheit und gesteigerte Vigilanz (Wachheit), sowie übermäßige Schreckhaftigkeit und Schlaflosigkeit sind vorhanden. 

Auffällig sind auch beharrliche Schuld- und Schamgefühle. 

PTBS soll nur dann diagnostiziert werden, wenn sie innerhalb von 6 Monaten nach einem traumatisierenden Ereignis von außergewöhnlicher Schwere aufgetreten ist. 

 

Späte, chronifizierte Folgen von extremer Belastung, d.h. solche, die noch nach Jahrzehnten nach der belastenden Erfahrung bestehen, werden gemäß ICD-10 unter "andauernder Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung" klassifiziert.